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Völkerverluste, Varroa und Umgang mit Kunstschwärmen

von Imkermeister Jürgen Binder  

Das hohe Bienensterben führt seit Jahren zu einem Bedarf und einer Nachfrage nach Kunstschwärmen, um den eigenen Schwund im Bestand wieder auszugleichen oder um überhaupt das Wachstum der Imkerei durch Zukauf zu ermöglichen. Obwohl viele Imker Völker und Ableger verkaufen ist es bisher nicht möglich, die Nachfrage durch das Angebot bei uns zu decken. Das hat vielfältige Ursachen.

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Problem Varroa

Zunächst bleibt festzustellen, daß offensichtlich die Varroa-Behandlungskonzepte nicht greifen. Und dies, obwohl ein Heer von Wissenschaftlern seit nunmehr Jahrzehnten an diesem Thema arbeiten.

Zum Einen nehmen viele Imker die Varroabekämpfung immer noch nicht ernst und beginnen ihre Behandlung viel zu spät. Bei einem erfolgreichen Behandlungsbeginn um den 20. Juli und einiger Nachbehandlungen sind Verluste normalerweise stark zu minimieren. Leider kommen zu den Varroaproblemen heute noch gravierende Vergiftungserscheinungen durch den intensiven Gebrauch von Pflanzen- und Insektengiften in der Landwirtschaft hinzu.

Wer Spättrachten wie Tanne oder Heide anwandernt nimmt also in Kauf, daß die Bienen das nächste Frühjahr nicht erleben. Wir haben nbatürlich auch das Problem der Reinvasion durch benachbarte Bienenvölker, die von ihrem Imker nicht richtig behandelt wurden. Dieses Problem ist größer, al man gemeinhin annimmt.

Weiterhin ist zu bemerken, daß der exzessive Einsatz von Ameisensäure den Bienenvölkern schadet. Königinnenverluste sind nur die Spitze des Eisbergs. Eine ganze Bienengeneration, die der Säure ausgesetzt ist, geht im Laufe des Herbstes ab, was zu einer schwachen Überwinterung führt. Realität ist, daß eine ganze Brutgeneration ausgeräumt wird. Das sogenannte „in die Brut wirken“ könnte man weniger euphemistisch auch als Abtöten der Bienenlarven bezeichnen. Wer heute noch auf Ameisensäure setzt muß unbedingt früh beginnen, damit ein großer Teil der Winterbienen dieser Substanz nicht ausgesetzt wird.

Das Bienenpflegemittel Bienenwohl" bewährt sich hervorragend als Nachbehandlung im Oktober und November.  Diese Oxalsäurezubereitung hat bereits in Österreich eine Zulassung als Varroazid. Laut Bernd Dany wirkt das Mittel über eine Woche, so daß bei einer dreimaligen Anwendung von jeweils ca. 15-20 ml ein ganzer Brutsatz schlüpft und so die jeweils schlüpfenden Milben der Behandlung ausgesetzt sind. Solange im Volk Sommerbienen oder überwiegend Sommerbinen sind empfiehlt sich eine mehrmalige Behandlung mit Oxalsäure bzw. Bienenwohl, um die Varroapopulation in Schach zu halten.

Die Aussage über Oxalsäure:  „zweimal ist einmal zuviel" muß im Zusammenhang mit einer Behandlungsmenge von 50 ml verstanden werden und ist, wie so viele Aussagen dieser Art und Herkunft, höchst strittig. Für Winterbienen mag die Aussage zutreffen, wobei wir für besser halten, zwei bis dreimal mit einer geringeren Menge von ca 20ml zu behandeln, und zwar bereits im November. Wozu die Milben unnötig lange auf den Bienen sitzen lassen? Sommerbienen hingegen können einer mehrmaligen Behandlung ausgesetzt werden.
 
Problem imkerliche Erfahrung

Bei der bei uns überwiegend verbreiteten Hobbyimkerei werden durchschnittlich ca. 10 Bienenvölker gehalten. Nur wenn diese gut überwintern kann der Imker einige wenige Völker abgeben. Zumeist gehen diese Völker an befreundete Imker oder Imker in der Nachbarschaft. Verständlicherweise gibt der Imker aber in der Regel die schwächsten Völker ab, was den Zukauf von Bienenvölkern nicht wirklich planbar und kalkulierbar  macht. Diese Völker tauchen auch nicht auf dem „Markt" auf. Da besonders Anfänger die Bienenvölker nicht beurteilen können, wächst dem erfahrenen Imker eine große Verantwortung zu. Wenn er sich ehrlich und transparent verhält nutzt er diese Möglichkeit, eine gute imkerliche Kollegialität aufzubauen und zu pflegen. Wie oft kommen Anfänger zu mir, die von sogenannten Imkerpaten mikrige oder sogar weisellose Völker verkauft bekommen haben. Auch Faulbrutvölker werden Anfängern verkauft, um aus diesen Sanierungsfällen wenigstens noch Profit zu schlagen und sie los zu sein. Aus Unkenntnis oder Verantwortungslosigkeit? Wir fragen besser nicht weiter nach. Beides wäre indiskutabel.
 
Das Chaos: die vielen Maße

Ein weiteres Übel sind die vielen verschiedenen Maße, die einen sinnvollen Völkerverkauf stark erschweren. Es spricht natürlich nichts dagegen, spezielle Regionalmaße aus Traditionsbewußtsein und Liebhaberei zu pflegen. Aber wirtschaftlich arbeitende Imkereien sollten sich nur noch mit Dadant  (nach Bruder Adam) oder Langstroth befassen. Insbesondere Anfängern dürfen nicht völlig veraltete Beuten und Maße „angedreht" werden, nur damit man sie selbst nicht mehr im Bestand hat.
 
Rückstandsfreiheit im Wachs: das wird immer wichtiger

Außerdem  ist beim Kauf von Bienenvölkern darauf zu achten, ob der Verkäufer in den zurückliegenden Jahren nicht etwa Varroazide verwendet hat, die ich nicht in meinem eigenen Bestand wünsche. Durch den Kauf von Bienenvölkern kaufe ich mir immer auch die Historie der Varroabehandlung des Kollegen.
 
Kunstschwärme sind sauber

Bei Kunstschwärmen sind alle genannten Aspekte nicht relevant. Ein Kunstschwarm kann in jede Beute eingeschlagen (besser: eingeschmeichelt) werden, man setzt ihn auf eigene, neue Rähmchen mit eigenem Wachs oder garantiert varroazidfreiem Wachs, er ist vom Zeitpunkt der Erstellung bis zum Zeitpunkt des Einschlagens etwa drei bis vier Tage alt und hat somit eine Reinigung durchgemacht, die man sich ja auch bei der Faulbrutsanierung zu Nutzen macht. Die bei uns weit verbreitete unreflektierte Behauptung, mit Kunstschwärmen würde man sich „alle möglichen Krankheiten" einhandeln offenbart einen Mangel an einfachsten imkerlichen Grundkenntnissen und nicht vorhandene Kenntnisse über die hohe Kompetenz der schwarmerzeugenden Imkereien im Süden. Leider habe ich solche Aussagen sogar von Imkermeistern in führenden Verbandsfunktionen immer wieder gehört. Mit einem Kunstschwarm hat man einen sauberen Anfang. Voraussetzung ist natürlich ein Gesundheitszeugnis, das als Begleitpapier vorhanden sein muß.
 
Wichtig ist, daß dem Kunstschwarm eine reife Königin vorsteht, die sofort mit der Eilage beginnt. Ein Kunstschwarm sollte je nach Jahreszeit ein bis zwei Mal im Abstand von 5 Tagen mit einer sehr dünnflüssigen Zuckerlösung (max. Verhältnis 1:1 oder dünner!) gefüttert werden, und zwar je ca. zwei bis vier kg Trockensubstanz, damit er die ersten 5 bis 6 Waben schnell und sauber ausbaut und zu brüten beginnt. Ein Kunstschwarm im März muß eventuell auch vier Mal angefüttert werden, das Flüssigfutter muß dann dickflüssiger sein, da bei niederen Temperaturen das Futter sonst nicht gut angenommen wird. Es sollen keine fetten Futterwaben entstehen. Wird ein Kunstschwarm in
einer Haupttracht eingeschlagen kann das Anfüttern unter Umständen auch ganz unterbleiben, wenn in den Tagen nach dem Einschlagen Flugwetter ist und Necktar eingetragen wird. Sobald die Tracht eingesetzt hat, ist zu prüfen, ob der Schwarm noch ein größeres Brutnest anlegen will, oder ob es ausreichend ist. Bei einer Legeleistung von 2000 Eiern pro Tag genügen 7 Waben Zander oder Langstroth, 5 Waben Dadant bzw 8 Waben Deutsch Normal . Mit einem Holzbrett („Schied") wird dann der Brutraum begrenzt (besser „angepasst") und der Honigraum aufgesetzt, natürlich über Absperrgitter. Ich empfehle hier die Lektüre des Buches „Angepasster Brutraum" von Hans Beer (www.angepasster-brutraum.de) und von Werner Gerdes.
 
Import von Kunstschwärmen: ein Problem? - Nein, wenn man es richtig macht!

Aus all diesen Gründen werden in Deutschland jährlich einige zehntausend Kunstschwärme aus Italien, Neuseeland oder anderen klimatisch bevorzugten Ländern importiert. Meine Erfahrung beschränkt sich auf Kunstschwärme aus Italien.
In Italien ist die Berufsimkerei hoch entwickelt. Es gibt dort zahlreiche Betriebe mit mehr als 1.000 Bienenvölkern. Betriebe mit 2.500 oder mehr Bienenvölkern sind keine Seltenheit. Diese Betriebe arbeiten als Familienbetriebe mit mehreren Angestellten, einige sind auch Genossenschaften. Solch große Betriebe müssen gut organisiert und geführt werden, um überhaupt erfolgreich sein zu können. Insbesondere in Süditalien und Sizilien ist die Vegetation und Temperatur im Vergleich zu uns um etwa sechs Wochen voraus. Dies ermöglicht eine „Bienenproduktion", die im März, April und Mai abgeschöpft werden kann. Es gibt viele Betriebe, die aus ihren Völkern nur ein Mal ca. 750g Bienen entnehmen, und dann das Volk zur eigenen Honigproduktion verwenden.  Ein Kunstschwarm hat normalerweise 1,5 kg Bienen. Dies ist der internationale Standard für Kunstschwärme. Da ein Kunstschwarm pro Tag etwa 100g an Gewicht verliert werden neuerdings Kunstschwärme mit 1650g Füllgewicht erstellt. Die Imker hier erwarten eigentlich das angegebene Füllgewicht. Leider hat die fehlende Kompetenz des Imkers und die Rechtsauffassung des Landgerichts Erfurt dazu geführt, daß man heute dazu sagen muß: „Bei dem angegebenen Füllgewicht handelt es sich um das Gewicht bei der Erstellung des Kunstschwarmes. Die Gewichtsabnahme ist ein normaler physiologischer Prozess. Der Kunstschwarm wiegt dann bei der Übergabe nur 1200 bis 1300g“. Die zusätzliche Zahl von Bienen beschleunigt den Entwicklungsprozess, das momentane Gewicht ist nicht aussagefähig.


Sind Kunstschwärme Krankheitsüberträger? – Nein!

Durch dieses leichte Schröpfen der Kunstschwärme produzierenden Imkereien dämpfen sie den Schwarmtrieb und müssen sich dadurch erst etwa drei Wochen später um die Schwarmkontrolle kümmern. Andere Betriebe wiederum haben sich auf die Kunstschwarmproduktion spezialisiert und produzieren bis zu 5 Kunstschwärmen pro Volk. Dann ist freilich keine nennenswerte Honigproduktion mit diesen Völkern mehr möglich.
 
Natürlich ist das Entnehmen von Bienen nur möglich, wenn gesunde und starke Bienenvölker vorhanden sind. Bei den mir bekannten Großimkern in Süditalien ist dies der Fall. Das Auftreten des Beutenkäfers in Kalabrien und Sizilien hat jedoch die Produktion von Kunstschwärmen stark eingeschränkt. Die Imkereien aus diesen beiden Bundesländern dürfen keine Bienen mehr exportieren und haben auf Honigproduktion umgestellt. Es gibt nun nur noch wenige Imkereien in Kampanien und Apulien, die Kunstschwärme erzeugen. Sie werden nicht nur von italienischen Veterinären kontrolliert sondern auch von Veterinären der Europäischen Union. Ich weiß von einer Delegation mit schweizer Fachleuten, die ebenfalls in Apulien kontrolliert haben und sehr beeindruckt von der hohen Qualität der erzeugenden Betriebe waren. Nach meiner Kenntnis sind die im Moment (2017) in den  Norden exportierten Kunstschwärme alle Beutenkäferfrei und zertifiziert. Wie viele Jahre das so bleibt kann heute nicht beurteilt werden.

Api Lif Var als Alternative

In vielen Ländern wird bereits seit Jahren das Behandlungsmittel Api Lif Var eingesetzt. Api Lif Var kann so verwendet werden, daß es zu einer totalen Brutentnahme führt. Will man dies erreichen, dann legt man die Plättchen direkt über das Brutnest. Die Bienen ziehen sich zurück, die Brut kühlt aus und stirbt ab, die Bienen räumen die Brut aus und beginnen mit einem neuen Brutnest. Legt man die Plättchen am an den Rand, in die Ecken, dann wird die Brut nicht geschädigt und die Wirkung ist langanhaltend.

Angesichts der immer schwieriger werdenden Varroaproblematik plädiere ich heute für die totale Brutentnahme im Juli. Auf diese Weise hat man das Volk mit einem Eingriff milbenfrei (was die Milben in der Brut betrifft) und kann nach einigen Tagen Eilage mit Oxalsäure bzw. Bienenwohl bei einer zweimaligen Behandlung vor der ersten Verdeckelung die restlichen Milben aus dem Volk holen. Man verliert zwar gesunde Brut, aber das langwierige Behandeln immer wieder neu schlüpfender Brut und Milben wird auf diese Weise verkürzt.


Auch die Königinnenzucht ist in Italien weit verbreitet. Die meisten Großimkereien vermehren die benötigten Königinnen selbst. Die Zuchtköniginnen kommen gerade von den Profis zu großen Teilen aus Deutschland und Österreich. In Italien sind die Ligustica und die Buckfast weit verbreitet, auf Sizilien auch die Sicula, Carnica wird wenig verwendet. Wer die Zuchtmütter aus dem deutschsprachigen Raum holt, kann sich relativ ruhiger, gesunder und leistungsfähiger Bienenvölker erfreuen, auch bei Begattungen in Sizilien. Aufgrund der Dominanz der Königinnen wirkt die Vielfalt der befruchtenden Drohnen biodiversitätssteigernd. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit den Imkereien im Süden kann ich nicht bestätigen, daß sich Bienen „dem Klima anpassen und bei uns nichts taugen". Das sagt übrigens auch Bruder Adam. Die Biene passt sich sofort den Umweltbedingungen an. Dasselbe gilt auch für die Überwinterung im Süden. Heute wird aufgrund der Beutenkäferproblematik sicher niemand mehr aus unseren Breitengraden im Süden überwintern und dann wieder in den Norden wandern. Aber die Aussage, die Königinnen würden sich „erschöpfen" ist grober Unfug. Man könnte gegenfragen: Erschöpfen sich denn dann auch die Königinnen unser süditalienischer Kollegen?
 
Natürlich sind aufgrund von Anpassungen und Zucht über Jahrtausende Rassen und Rassemerkmale entstanden. Wenn man jedoch die Realität der Wanderungen, zum Beispiel in Österreich von 300 m auf über 1800 m in‘s Hochgebirge anschaut, und dies alles mit den gleichen Bienenvölkern, dann muß doch festgestellt werden, daß die Aussage der Klimaangepasstheit nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun hat. Hier wird leider auch viel ohne eigene Kenntnisse über die tatsächlichen Verhältnisse behauptet.
 
Ein Kunstschwarm – wie damit umgehen?

Wie „schlägt" man nun einen Kunstschwarm richtig in eine Beute? Der Begriff „einschlagen" suggeriert eine gewalttätige Handlung. Mir erschiene eine sanfte Formulierung (z.B. einschmeicheln) wesentlich angemessener. Der Imker bereitet die Kiste vor, indem er, sofern vorhanden, an Position 1 links
oder rechts eine Futterwabe hängt und dann noch 4 bis 5 Waben. Es können auch Mittelwände verwendet werden, dann ist jedoch besonders darauf zu achten, daß dem Kunstschwarm sofort ein Zugang zum Futter ermöglicht wird. Dann kommen Schied und die Futtertasche. Es kann auch ein Adamfütterer (Fütterung von oben) aufgesetzt werden. Es muß darauf geachtet werden, daß das Aufstiegsloch direkt oberhalb des neuen Brutkörpers ist. Ist das nicht der Fall kann bei schlechter Witterung das Volk verhungern, obwohl der Fütterer voll ist. Also aufgepasst und richtig gemacht! Sogar staatlich besoldete Bienenberater in Deutschland machen diesen Anfängerfehler (Loch nicht über dem Brutkörper), und machen dann andere für Ihr fachliches Versagen verantwortlich. Was soll man von solchen Leuten noch halten!

Ein Kunstschwarm will gepflegt werden

Eine Fütterung mit einem Eimer und einer aufgesetzten Zarge ist - wie auch bei der Fütterung von Völkern - ungünstig. Die gekäfigte Königin wird mit entfernter Plastiklasche und freiem Zugang zum mit Futterteig verstopftem Käfigausgang, zwischen das zweite und dritte Rähmchen
gehängt (bitte so, daß der Käfig nicht nach unten rutschen kann), oben auf die Oberträger gelegt oder unten auf das Wärmebrett. Die Begleitbienen bleiben im Käfig. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Schwarm in die Kiste zu bringen: bei kaltem Wetter schüttet man die Bienen vorsichtig auf die auf dem Wärmebrett liegende Königin. Wenn sie unten liegt werden vier oder fünf Waben herübergeschoben, so daß die Bienen nur aufsteigen
müssen, um sofort auf Wabenwerk zu sitzen. Die andere Hälfte der Bienen verbleibt in der Schwarmkiste. Diese wird neben die Waben innerhalb der Beute abgestellt, und zwar so, daß keine Bienen zerdrückt werden. Die Bienen laufen im Laufe der nächsten Stunden aus der Kiste auf die Waben. Die Königin muß immer mit Bienen umgeben sein, damit sie nicht auskühlt. Die Königin darf nicht auskühlen – das ist besonders bei schlechtem Wetter oder einer zu erwartenden kalten Nacht zu beachten!

Es ist insgesamt von Vorteil, die Schiede links und rechts des neuen Bienenkörpers zu isolieren. Die Einheit kann sich dann besser entwickeln. Grundsätzlich gilt – und das nicht nur für Kunstschwärme: Bienen und Brutraum warm halten.

Muß man die Box aufstoßen, dann bitte sanft. Bienen wollen nicht abrupt gestoßen werden und schon gar nicht mehrmals hintereinander. Die Honigblase kann platzen.

Man kann aber auch den Schwarm auf das Anflugbrett schütten. Dabei wird die Königin ebenfalls zuerst innen auf das Wärmebrett oder die Oberträger gelegt, möglichst auch eine Handvoll Bienen dazugeben. Die Bienen laufen dann gemütlich in die Beute hinein. Bei dieser Zusetzmethode muß natürlich der Deckel auf die Beute, damit es drinnen dunkel ist. Durch diese „Einschlagmethode" wird ein Einzug in die Beute suggeriert, was hinsichtlich der natürlichen Verhaltensweise von Schwärmen sicherlich auch eine gute Methode ist. Dafür darf es aber nicht zu kalt sein. Das Einschlagen kann ganztags erfolgen, besser ist jedoch ein Einschlagen am Abend. Sollte der Futterteig im Königinnenkäfig hart sein, dann kann man ihn etwas lösen, so daß die Königin schneller den Käfig verlassen kann. Die Königin kann ohne weiteres nach einer Stunde aus dem Käfig, sie muß nicht mehrere Tage eingesperrt bleiben. Also wenn nötig bitte nachhelfen.

Sorgfalt ist wichtig

Wenn die Schwärme einige Stunden vorher in einem dunklen und kühlen Keller stehen ist dies von Vorteil, da dies den Zusammenhalt des Schwarmes fördert. Naßspritzen vor der Verwendung verhindert ein starkes Auffliegen der Bienen. Aber aufgepasst: ein Kunstschwarm hat im Gegensatz zu einem Naturschwarm keine vollen Honigblasen, das heißt er verhungert viel schneller. Daher darf er nicht unnötig lange auf Diät gehalten werden, sondern muß rasch versorgt werden.
 
Nachdem der Schwarm seine Beute besiedelt hat und Eier sowie Maden sichtbar sind, kann eine Varroabehandlung stattfinden, muß aber nicht. Die Österreicher nehmen dafür Bienenwohl, das sicherlich optimalste Mittel. Auf diese Weise bekommt man ein gesundes, varroaarmes Jungvolk, das auf einem sauberen Wabenwerk heranwächst und bei einer behutsamen Anpassung des Brutraumes und bei geeigneten Trachtverhältnissen eventuell noch im gleichen Jahr Honig bringen kann.
 

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