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Gründung der Prof. Ludwig Armbruster Imkerschule in Weimar

Am 17. November 2013 wurde im Rahmen des 3. Weimarer Bienensymposiums zur Zukunft der Imkerei die Prof. Ludwig Armbruster Imkerschule für bienengerechtes Arbeiten im Angepassten Brutraum gegründet.
Die Armbruster-Imkerschule richtet sich an erwerbsorientierte Imker, Nebenerwerbsimker und Berufsimker, die ihre Kenntnisse in der Imkerei vertiefen und vervollständigen möchten, die ein neues und intensiveres Verständnis über die Bienen und das Wesen des Biens erlangen möchten und ihre Betriebe nach neuesten imkerlichen Erkenntnissen modernisieren wollen.
Die Armbruster-Imkerschule hat auch Lehrangebote für Hobbyimker, die vorhaben, aus ihrem Hobby einen Beruf zu machen und mit Gleichgesinnten imkerliche Fragen offen und konstruktiv diskutieren wollen.
Mit der Namensgebung „Prof. Ludwig Armbruster Imkerschule“ würdigen und ehren wir einen der größten Bienenwissenschaftler des 20. Jahrhunderts, dessen wissenschaftliche Arbeit auch heute noch weit in die Zukunft verweist. Die Schule wird im Herbst 2014 zunächst im deutschprachigen Raum mit Lehrgängen in geeigneten Tagungshäusern ihre Arbeit aufnehmen.

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Zu Beginn der Festveranstaltung gab Prof. Steffen Rückl von der Humboldt Universität Berlin einen Überblick über das Leben und Schaffen Armbrusters. Er zeigte auf, daß Ludwig Armbruster einer der herausragenden Bienenkundler des 20. Jahrhunderts war, dessen Arbeit bis heute Anerkennung findet. Als Erster wendete er die wissenschaftliche Mendelsche Vererbungslehre auf die Züchtung eines Nutztieres, die Biene, an. Der als „Bruder Adam“ bekanntgewordene schwäbische Mönch und Bienenzüchter Karl Kerle schreibt in seinem 1982 erschienenen Buch „Züchtung der Honigbiene“, daß Armbruster ihm „eine Welt von Möglichkeiten“ eröffnete und sieht darin auch den Hauptgrund zu seinen eigenen „Bemühen in der Züchtung der Honigbiene“.
Ludwig Armbrusters 419 Publikationen - wissenschaftliche und populärwissenschaftliche, naturwissenschaftliche, ökonomische und in seiner zweiten Lebenshälfte regionalkundliche - zeugen von seiner Fähigkeit, auf unterschiedlichen Fachgebieten kreativ und produktiv zu sein und nicht zuletzt von seinem im sprichwörtlichen Sinne „Bienenfleiߓ. Sein Fachgebiet, die Bienenkunde, wurde von ihm besonders auch in kulturgeschichtlicher und volkskundlicher Hinsicht erschlossen. Armbruster war stets voller Engagement und auch recht streitbar, wenn es um die Sache und besonders, wenn es um seine Person ging.
Der Lebensweg Ludwig Armbrusters - eines aufrechten Mannes in dunkler und schwieriger Zeit - ist schicksalhaft mit den politischen Entwicklungen verwoben. Sein Lebenswerk wurde mit der Verleihung des Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland geehrt, auch die katholische Kirche hat ihren Priester gewürdigt, aber die Wiedereinsetzung in seine 1934 entzogenen akademischen Rechte blieb ihm verwehrt.
Der Präsident des Landesverbandes Badischer Imker, Ekkehard Hülsmann, brachte in seine Laudatio für Professor Dr. Ludwig Armbruster eine ganz persönliche Note. „Unser Ludwig sei ein waschechtes Kind Badens gewesen“, so räsonierte er nicht ohne Humor, sei anerkanntes Multitalent auf vielen Gebieten weit über die Bienenwissenschaft hinaus, Idealist und Einzelkämpfer, geradlinig und unbestechlich der Sache der Bienen verpflichtet. Er war Wegbereiter einer modernen Bienenwissenschaft und der imkerlichen Betriebstechnik im 20. Jahrhundert. Mit welcher Eleganz, welchem Stolz und welcher Liebe zu seiner Arbeit präsentiert er sich auf dem Foto vor seinem Bieneninstitut in Berlin mit einem japanischen Bienenwissenschaftler – eine große Persönlichkeit eben. Durch seine Biographie zieht als übergreifendes Lebensprinzip ein ethisch-moralischer Maßstab für persönliches Handeln. So wird er zum Vorbild und Mahner auch für die Welt des 21. Jahrhunderts, wo dieser Wertebereich bei vielen Forschungsansätzen auch in der Bienenwissenschaft nicht mehr erkennbar ist.
Wenn die neu gegründete Imkerschule jetzt den Namen des großen badischen Bienenwissenschaftlers trägt, dann ist das Vorbild und Anspruch zugleich. Fundiertes imkerliches Wissen für Berufsimker vermitteln und Visionen im gemeinsamen Europa der Imker entwickeln, das sei im Sinne und Geist von Ludwig Armbruster ein guter Ansatz. „Dass dies gelingen möge, ist mein Wunsch“, so Ekkehard Hülsmann in seiner Eigenschaft als Landeschef der badischen Imker und damit als „Patron Ludwig Ambrusters“.
Sabine Danckwerts ist die Museumspädagogin der Domäne Dahlem, die einen Teil der und viele hundert Originalfotos von Armbruster aufbewahrt.
Danckwerts erläuterte, daß sich für die Sammlung zunächst niemand verantwortlich fühlte und das Bewußtsein für die historische Bedeutung dieser Sammlung nicht vorhanden war.
Heute wird die Errinnerung an das Wirken Armbrusters durch ein schön gestaltetes Armbruster-Zimmer wachgehalten.
Für Christoph Graf aus St. Peter, der in den vergangenen Jahren unermüdlich für die Rehabilitierung von Ludwig Armbruster gekämpft hatte, brachte der Tag eine besondere Überraschung: Präsident Hülsmann überreichte ihm als Dank für diesen bewundernswerten Einsatz die Verdienstnadel des Landesverbandes Badischer Imker in Gold. Herzlichen Glückwunsch.
Graf stellte in seiner Dankesrede die internationale Bedeutung Ludwig Armbrusters heraus.
Gerade bei einem rehabilitierten NS-Opfer sind die Ehrungen sehr wichtig. So erhielt Armbruster 1957 das Bundesverdienstkreuz, wurde 1969 Ehrenimkermeister des D.I.B. und bekam im selben Jahr die höchste Ehrung eines Bienenwissenschaftlers, er wurde Ehrenmitglied der Weltorganisation APIMONDIA und war natürlich auch Ehrenmitglied im im Imkerverein Berlin-Zehlendorf.
Der Schulgründer, Imkermeister Jürgen Binder, wies zum Schluß der Gründungsversammlung auf geistige Verbindungslinien zwischen Ludwig Armbruster und Bruder Adam hin. Die Bienenzüchtungskunde Armbrusters wurde für Bruder Adam zur wichtigsten Inspirationsquelle für die Kreuzungszucht, aus der nach jahrzehntelanger Zuchtarbeit die sogenannte Buckfastbiene entstanden ist.
Der Festakt beschloss mit Alphornklängen und Trompetenfanfaren und besten Wünschen für eine zukünftige Schulungsarbeit im Dienste der Imker.


Jürgen Binder

 

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