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30.10.13 Vierter Tag der Studienreise

Auch im Piemont gab es erfinderische Leute. Zum Abschied aus dieser wunderlichen, hügeligen Region am Fuße der Seealpen führt uns Cauda noch zu einem kulturhistorischen Highlight. Auch im Piemont war es früher üblich, daß in jedem Dorf und praktisch von jedem Bauer Bienen gehalten wurden. Bienenhaltung war auch hier ein essenzieller Bestandteil des bäuerlichen Einkommens. Und besonders wichtig war es, die Bienen gesund und mit möglichst wenig Honigvorräten durch den Winter zu bringen. Zwar sind die Wintermonate im Piemont beileibe nicht so hart wie nördlich der Alpen – aber das Piemont kennt auch schneereiche Winter.

So kam es, daß ein Landarbeiter an der Südseite seines Wirtschaftsgebäudes, das er inmitten seiner Felder stehen hatte, eine zweite Mauer errichtete, zwischen dieser und der eigentlichen Hausmauer etwa einen Meter Platz. In drei Etagen mauerte er nun Nischen hinein, die nach unterschiedlicher Methode Bienenvölker aufnehmen konnten. In die unterste Reihe wurden einfach vorhandene Hinterbehandlungsbeuten hineingeschoben. In die mittlere Ebene hatte jener unbekannte Imker Aussparungen eingemauert, Auflagen für Rähmchenohren. Hier wurden also die Rähmchen direkt in das Mauerwerk eingehängt und das Mauerwerk als Bienenkiste verwendet. In der obersten Reihe fehlen diese Aussparungen, dort wurden Schwärme direkt in das Loch in der Mauer eingeschlagen.

An der rechten Seite erkennt man den Anbau der Bienenmauer.

Im Sommer soll das Konstrukt einigermaßen funktioniert haben. Im Winter jedoch zeigte sich, daß das Mauerwerk viel zu feucht und kalt wurde – die Bienen gingen elend ein. Und doch bleibt das „Haus mit der Bienenmauer“ ein kulturhistorisches Zeugnis für den Erfindergeist, den die Sorge um die Bienen hervorgebracht hat.

Die Fluglöcher gehen durch die Mauer. Jede Nische soll ein Bienenvolk beherbergen.

Für den Nachmittag war ein Besuch beim Imkereigerätehersteller Lega geplant. Wir wurden von Herrn Lega Senior persönlich empfangen und durch die Firma geführt. Er erzählte, wie sein Vater angefangen hatte, die ersten Imkereigeräte zu bauen. In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts fing er mit der Bienenhaltung an und bemerkte rasch, daß er Geräte, eine Schleuder und andere nützliche Maschinen zur Gewinnung von Honig braucht. Diese waren aber auf dem italienischen Markt nicht oder nur schwer erhältlich. So baute sein Vater zunächst eine Schleuder für sich selbst. Als seine Imkerkollegen sahen, wie einfach damit der Honig geschleudert werden konnte, baten sie ihn, auch für sie Schleudern zu bauen. Diese Nachfrage zog immer größere Kreise und so kam es, daß aus einem einfachen, praktisch-technisch begabtem Imker einer der größten Imkereigerätehersteller Italiens wurde. Aber das allein reichte wohl nicht. Was Lega wohl auch von seinem Vater gelernt hatte war: „wende Dich mit ganzer Seele Deinem Besucher zu und interessiere Dich für seine Fragen“. Wie Herr Lega sich Gedanken über jedes Detail der Imkergeräte macht und mit der größten Aufmerksamkeit alle Fragen der Gruppe beantwortete hat uns allen eines der wichtigsten Geheimnisse geschäftlichen Erfolges vor Augen geführt. Stolz verwies er auf die Maschine, mit der er Absperrgitter presst. Als ein Reiseteilnehmer die Gitter mit den Worten lobt: „Das sind aber schöne Gitter“ antwortet Lega bescheiden aber bestimmt: „Es sind die Schönsten, die es überhaupt zu kaufen gibt“. Zu einer von mir gelobten Schweißnaht („Das ist aber eine saubere Schweißnaht“) antwortet Lega: „Wir haben lange an dieser Schweißnaht gearbeitet. Nun ist sie perfekt“. Und dies alles mit der erfrischendsten Selbstverständlichkeit.

Entstehung eines Absperrgitters 1 Entstehung eines Absperrgitters 2 Entstehung eines Absperrgitters 3 Entstehung eines Absperrgitters 4 Entstehung eines Absperrgitters 5

Daß hier nicht nur Stroh gedroschen wird, erkennen wir an zahlreichen Sonderanfertigungen, die in einer der vielen Hallen von einer ganzen Truppe Ingenieuren bearbeitet wurden. Da wird probiert und getestet – solange bis auch die letzte Kleinigkeit funktioniert.

Entdeckelungstische Innovativ: Rührwerk mit schrägem Rührstab, damit für den Eiguss des Honigs mehr Platz bleibt

Der Erfolg spricht für sich. Lega baut Imkereigeräte hoher Güte und berücksichtigt Sonderwünsche von Kunden. Gleichzeitig baut er aber auch einfache Schleudern für den Hobbyimker, die, da sie in großen Stückzahlen hergestellt werden auch preislich konkurrenzfähig sind.

Angefüllt mit positiven Eindrücken fahren wir zu unserem Tagungsort Titignano nach Umbrien.

Hier gehts zur Imkerei

 

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