FacebookTwitterGoogle BookmarksLinkedinRSS FeedPinterest

29.10.13 Dritter Tag der Studienreise

Besuch bei Cauda und Maria-Jose Pastor

Nach dem  fantastischem Abendessen im Slow Food Restaurant „Fattoria dell’Olmo“ am Vorabend machen wir uns am Morgen auf zum Städtchen Montà in der Region zwischen Turin und den Seealpen bei Cuneo. Montà ist ein pittoreskes , sehr gepflegtes Städtchen umgeben von einer hügeligen Landschaft mit intensivem Weinanbau.

Am Marktplatz finden wir auch schon ein Schaufenster mit Honig und Bienenprodukten, und durch ein schmales Tor geht es in einen Hinterhof zum Wohnhaus und früheren Wirtschtschaftsgebäude der Familie. Cauda betreibt heute mit seinem Bruder und drei weiteren Mitarbeitern eine Großimkerei mit etwa 1800 Bienenvölkern. Schon sein Vater bewirtschaftete etwa 100 Völker. Als dieser aber früh verstarb mußten er und sein Bruder die Bienenvölker übernehmen und weiterbetreiben. So hatten sie schon von Kindesbeinen an Kontakt zu den Bienen.

Claudio Cauda

Cauda ist heute Präsident des italienischen Berufsimkerbundes und ein leidenschaftlicher Kämpfer für seinen Berufsstand. Seine Ansichten prägen die italienische Berufsimkerei. Auch er beschreibt die Pestizide und Neonicotinoide als den größten Feind der Imkerei.

Vor 15 Jahren hat er am Rande der Stadt zwei große Hallen gebaut, in denen sich heute seine Schleuderanlage, die notwendigen Ausrüstungsgegenstände für die Abfüllung, das Honig- und Zargenlager sowie seine Beutenwerkstatt befinden. Auch hier sehen wir eine spartanisch ausgelegte Schleuderausrüstung. Mit einer Entdeckelungsmaschine und drei Schleudern kann er innerhalb kürzester Zeit über 80 Tonnen Honig abarbeiten.

Presse für Entdeckelungswachs - so wird das Wachs quasi komplett sauber & der Honig hat keinen Wachsgeschmack Klärtanks im Betrieb Cauda

Den Honig pumpt er dann in Klärtanks, von denen jeder 12.000 kg fasst. Der Honig wird dort auf etwa 30 Grad Celsius temperiert. Innerhalb von zwei Tagen schwimmen die feinen Wachspartikel, die im Honigsumpf nicht ausgereinigt wurden, nach oben. Unten wird dann der Honig mit einem Hahn in Fässer abgelassen und gleich gewogen. Bevor das Fass eventuell überläuft, macht ein Niveauregler  durch das Aufheulen einer Sirene auf die Gefahr aufmerksam.

Cauda hat seit kurzem für die Lagerung bereits abgefüllter Honige einen Kühlraum eingebaut, in dem die Gläser auf 14 Grad Celsius temperiert werden,  vor allem um in den warmen Monaten im Sommer eine Phasentrennung zu verhindern.

Sein Betrieb hat in den letzten Jahren 16.000 KW Strom pro Jahr verbraucht. Mithilfe einer Fotovoltaikanlage erzeugt er 27.000 KW. Auch wenn der Energieüberschuss jetzt nach Einbau des Klimaraumes geringer sein wird, so hat er doch insgesamt eine positive Energieblianz.

Die Imkerei arbeitet mit einem 7.5 t LKW und einem 12 t LKW. Auf diesen kann er 80 Völker auf einem 5er Gestell mit einem Kran aufladen. Dieses System ist in Italien sehr weit verbreitet. Er wandert ohne Wandergitter und hat nur unten den Boden offen. Seine Wanderungen dauern maximal 5 Stunden. Cauda sagt, daß die Bienen durch den Fahrtwind ausreichend gekühlt werden, aber beim Wandern ohne Wandergitter oben keine Fahrtunterbrechungen oder Pausen sein dürfen, da sonst der Energieentzug durch den offenen Boden fehle.

 Die meisten italienischen Berufsimker arbeiten mit 7,5t LKW und Kran.

Am Nachmittag besuchen wir eine kleinere Imkerei mit 450 Völkern.  Maria-Jose Pastor war acht Jahre im Entwicklungsdienst in Afrika und kam mit ihrem Mann zurück, als die Kinder ins Schulalter gekommen sind. Ihr Mann war Veterinär und beschäftigt sich seit einigen Jahren nur noch mit der Bienenhaltung. Seine Frau hatte mit verschiedenen Methoden versucht, nach den Richtlinien der Gelee Royale Vereinigung Gelee Royale herzustellen. Die produzierten Mengen dieser Vereinigung sind insgesamt im Vergleich zur erfolgreichen Honigproduktion in Italien eher gering. Der Schleuder- und Wirtschaftsraum ist mit etwa 80 Quadratmetern für diese Völkerzahl doch ziemlich klein, und dennoch reicht er aus, um den Honig schnell genug aus den Waben zu schleudern. Um den vorhandenen Platz nicht mit Türmen von Honigzargen vollzustellen wird immer nur so viel geerntet, wie in zwei Tagen weggeschleudert werden kann.

 

Am Abend wurden wir von Caudas Frau im Restaurant Belvedere fürstlich bewirtet. Sie ist Köchin und betreibt wiederum mit ihrem Bruder das Hotel und Restaurant. Die Auszeichnungen des Guide Michelin zieren die Eingangstüre dieses Restaurants. Jeder Gang wurde unter Verwendung von mit einem der für die Region typischen Honigsorten zubereitet. Die wichtigsten Honige im Westen von Norditalien sind mit großem Abstand Akazie, Kastanie und Wald. Die Imker produzieren in der Regel  auch noch kleinere Mengen Alpenrosenhonig und wenn es die Trachtlage zulässt Sonnenblume und Raps.

Hier gehts zur Imkerei

 

Armbruster Imkerschule | Lise-Meitner-Straße 4 | 74523 Schwäbisch Hall | sekretariat@armbruster-imkerschule.de | +49 (170) 1 85 74 24