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28./29.10.13 Erster & zweiter Tag der Studienreise

Die 12 Teilnehmer der diesjährigen Studienreise zu italienischen Berufsimkern starteten am Sonntag Nachmittag von den Berufsimkertagen in Donaueschingen. In zwei Minibussen fuhren wir über den gerade noch offenen Gotthardpass. Unsere erste Station war Novi Ligure.

Am Montag Morgen empfing uns der Präsident des italienischen Berufsimkerbundes Francesco Panella und zeigte uns seinen Betrieb, in dem er 1000 Bienenvölker bewirtschaftet. Francesco kam gerade aus Rom von einer Veranstaltung der Imker gegen Neonicotinoide. Seine Verbandsverpflichtungen bringen ihn in die ganze Welt und machen den profunden Kenner der italienischen Imkerei zu einem gefragten Mann. Bei Caffè und Met erörterten wir die Lage der Imkerei, wobei er das Auf und Ab nach Einführung der Neonicotinoide beschrieb. Seine Honigproduktion und die vieler seiner Kollegen war Mitte des letzten Jahrzehntes um mehr als 70% eingebrochen, als seine Bienen nicht mehr vom Befliegen der gebeizten Kulturflächen zurückkamen. In diesem Jahr produzierte er wieder 55.000 kg Honig, was einem Durchschnitt von etwa 55kg pro Volk entspricht. Er ist ein Verfechter einer Imkerei ohne chemische Medikamente. Der Varroadruck sei in den letzten Jahren so stark, daß er bei vielen Völkern einen Brutstopp oder eine Brutentnahme vornimmt.

Auffallend war seine einfache Schleudertechnik. Mit einer Entdecklungsmaschine, zwei Pressen für das Entdecklungswachs und zwei Radialschleudern bewältigt ein Mitarbeiter innerhalb von 4 Monaten die Schleuderung des Honigs. Falls nötig, wird der Honig in einem Wärmeraum für die Schleuderung vorbereitet. Auch Panella 's Fuhrpark ist bescheiden: ein LKW mit Kran und einem ZGG von 7,5t, ein Lieferwagen und ein Pickup reichen ihm, um diese Völkerzahl umzutreiben. Er hat zwei ganzjährig beschäftigte Mitarbeiter und zwei Saisonhilfskräfte. Der Honig wird zur Gänze an die von ihm mitbegründete Imkergenossenschaft „Conapi“ verkauft, die den Honig konfektioniert und in den Markt bringt. Die Genossenschaft verkauft pro Jahr etwa 2.500 t.

An den Bienenvölkern

 

Francesco Panella in seinem Schleuderraum

Gegen Mittag stieß Giacomo Acerbi zu uns, der zweite Imker, den wir an diesem Tag besuchen wollten.

Der 28 Jahre junge Imker startete erst vor 5 Jahren mit der Imkerei und nennt heute 500 Bienenvölker und 2500 Begattungseinheiten sein Eigen. Die Königinnenzucht scheint ihm im Blut zu liegen, denn schon sein Vater war Rinderzüchter. Ohne Vorkenntnisse startete er, machte in einigen anderen Imkereien Schnupperpraktika und produziert heute 12.000 begattete Königinnen und 30.000 schlupfreife Zellen für die italienischen und französischen Imker.

Aber wir kommen aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus, als er uns seine Völker zeigt. Ohne Rauch gehen wir an seine Stände, er öffnet vorsichtig die Deckel und wir sehen Buckfastvölker von erstklassiger Güte mit Müttern, Nachkommen und eigenen Kreuzungen verschiedener Herkünfte. Dabei zeigt sich, daß er der Kombinationszucht mit der Anatolica einen besonderen Vorzug einräumt. Er zeigt uns Völker und Zuchtmütter, eines besser als das andere, und die Frage der Sanftmut stellt sich gar nicht, denn den ganzen Nachmittag werden die unterschiedlichsten Zuchtlinien studiert – aber alles ohne Rauch. Giacomo hat in der Bienenzucht seine Lebensaufgabe gefunden, das wird allen deutlich, nachdem er uns seinen perfekt durchorganisierten Betrieb zeigt. In einem etwas abgelegenen kleineren Gebäude findet das Umlarven statt. Er lässt die Zellen aber nicht nur im Brutschrank fertig werden. Er hat auch ein System entwickelt, in dem er die Zellen in einem sich in Betrieb befindlichen Volk fertigpflegen lässt. Mit einem Absperrgitter trennt er den Brutraum. Ans Flugloch kommen im Warmbau zunächst eine Futterwabe, dann eine Wabe offene Brut, dann die angepflegte Zuchtlatte mit bis zu 66 Zellen, dann nochmals eine offene Brutwabe. Das dann folgende Absperrgitter trennt diese Einheit von einem intakten Volk, das im hinteren Teil der Brutkiste normal weiterarbeitet. Für zwei Stunden pro Tag wird eine Klappe für die Drohnen geöffnet. Durch diese Anordnung werden die Jungbienen von den zwei offenen Brutwaben in die Nähe der Zellen gelockt. Aber auch die Altbienen müssen an den Zuchtlatten vorbei, so daß der Bereich mit den Zellen gut mit Wärme versorgt ist. Wenn auch diese Pflegeeinheit die üblichen Schwierigkeiten des Verhonigens bei starker Tracht hat, so lässt er doch etwa die Hälfte seiner Zellen nach diesem System ausbrüten, weil so die Zellen während der ganzen Entwicklungszeit den natürlichen Bedingungen im Volk ausgesetzt sind.

Auch dieser Betrieb zeigt mit seiner Gastfreundschaft den Stolz der Berufskollegen, wie er im Süden zum Ausdruck gebracht wird. An einem Büffet stärken wir uns bei Wein, Met und Salami bevor wir im Restaurant Locanda dell’Olmo zu einem Piemontesischen Abendessen schreiten.

Hier taucht auch Nino Scacchi wieder auf, jener Berufskollege, den wir letztes Jahr in Novara besucht hatten und der seine 4.000 Bienenvölker mit großer Anmut und professionellem Organisationstalent führt.

Giacomo Acerbi beim Öffnen eines Bienenvolkes

  Eigene Versuchskreuzung der Buckfast von Giacomo Acerbi

Hier gehts zur Imkerei

 

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